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In Between Festivals

Eva Meyer-Keller: „DEATH IS CERTAIN“

Death is before © Lucas Fester

Death is before 20×30 © Lucas Fester

Ungefähr 100 Küchenutensilien und Werkzeuge liegen pedantisch aufgereiht auf einem Tisch. Daneben sind 36 Kirschen in einem exakten Muster arrangiert. Die schwarz gekleidete Künstlerin bindet sich langsam eine Schürze um, nimmt eine Kirsche und entfernt den Stiel. Danach wählt sie Zahnseide und eine Rolle Klebeband aus. Nachdem sie beides auf den Tisch gelegt hat, nimmt sie ein langes Stück der Zahnseide, wickelt ein Ende um die Kirsche und hängt das andere Ende um die Ecke des Tisches. Für einen kurzen Moment liegt die Kirsche auf der Tischecke und wird dann sanft von der Künstlerin weggestoßen runtergestoßen Der Fall der Kirsche endet abrupt baumelt am Faden in der Luft.

dic massengrab ® Eva Meyer-Keller

dic massengrab ® Eva Meyer-Keller

Nun ist die nächste Kirsche dran. Sie ist an einen Stein geklebt und wird zum Ertrinken in eine mit Wasser gefüllte Tasse gegeben. Die dritte Kirsche wird mit weißen Plastikhaarspangen zerquetscht. Auf der Tischdecke wird ein Blutbad hinterlassen. Nummer vier wird gehäutet. Aber das ist noch nicht genug – eine Prise Salz wird über ihr Fruchtfleisch gestreut. Eine Aktion folgt der nächsten: Blut fließt, Haut wird abgerissen, Körper explodieren, werden zerquetscht, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet oder verbrannt.

In “Death is Certain” entwickelt Eva Meyer-Keller 36 Mini-Szenarien der Folter und Hinrichtung, wobei die kleinen tadellosen Körper der Früchte zunehmend menschliche Wesen darstellen.

dic cemetary ® Eva Meyer-Keller

dic cemetary ® Eva Meyer-Keller

Alltägliche Haushaltsgegenstände werden Agenten des Todes und bis zum Ende ähnelt der fast chirurgisch saubere Tisch einem Schlachtfeld. Die „Lebenden Gemälde“ spielen mit den individuellen Assoziationen und das kollektive Gedächtnis bei Todesfällen in Filmen und Literatur, sowie der vermittelten „Wirklichkeit“ von Krieg und Hinrichtung.

Mit performativer Sensibilität und Behändigkeit wird das Ableben der Kirschen ein Bildschirm für die Fantasien der Zuschauer. Das Alltägliche wird so zu einer Reflektion des Brutal-Spektakulären und andersrum.

Die demonstrativ harmlosen Aktionen wenden sich zum Gegenteil, während sich gleichzeitig eine absurde und politisch explosive Komödie entwickelt, die die Fragen nach Verantwortung an das Publikum richtet.

PRODUKTION: Eva Meyer-Keller

ORGANISATION: Alexandra Wellensiek

Mit freundlicher Unterstützung von: Vooruit Gent, Stuk Leuven

Mit Dank an: Alexandra Bachzetsis, Juan Dominguez, Mette Edwardsen, Cuqui Jerez, Martin Nachbar, Rico Repotente

DAUER: ca. 35 Minuten

EINTRITT: 15 zł

In Between Festivals ist ein Projekt von Mica Moca project berlin e.V.

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Infos

21.07.2016

Uhrzeit / Öffnungszeiten

20:00

Adresse / Ort

Łokietka 5 – Infopunkt Nadodrze
ul. Łokietka 5/1
Wrocław

Veranstalter

InBetween Festivals 2016

 

 

 

 

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